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Erfolgsgeschichten

Katharina Kremer, Abi 2012
Katharina Kremer, Abi 2012

Von der Kellnerin zur Master-Absolventin

Die Entscheidung, mein Abitur nachzumachen, habe ich nach der Geburt meiner Tochter im Alter von 24 Jahren getroffen. Ich hatte die Schule mit 18 geschmissen und lange in der Gastronomie gearbeitet. Für meine Tochter wollte ich mein Leben ändern, um ihr ein Vorbild sein zu können. Mein Stiefvater, der in den 1970er Jahren sein Abitur ebenfalls am Ruhr-Kolleg nachgeholt hatte, machte mich auf die Schule aufmerksam.

Nach einem ersten Treffen beim Anmeldungsgespräch und einer Zusage im April 2010, begann ich im August am Ruhr-Kolleg. Durch vorherige Erlebnisse im Schulsystem hatte ich Vorbehalte, die durch die Schulleitung und Lehrkräfte schnell beiseitegeschoben wurden. Das Klima an der Schule und der Umgang mit den Studierenden waren von Respekt und Hilfsbereitschaft geprägt. Die Schule setzte sich unter anderem dafür ein, dass meine Tochter in die nahegelegene KiTa gehen konnte, sodass die Betreuung meines Kindes geregelt war und ich mich voll und ganz der Schule widmen konnte. Zudem half mir das elternunabhängige BAföG, welches nicht zurückgezahlt werden muss, mich ohne finanzielle Sorgen auf meine schulischen Leistungen konzentrieren zu können.

Im Dezember 2012 erhielt ich im 8. Monat schwanger mit meinem Sohn und mit meiner Tochter an der Hand mein Abiturzeugnis. Das Gefühl erfüllte mich mit Stolz und zeigte mir, dass es sich gelohnt hatte, den teils anstrengenden Weg zu gehen. Ich hatte mich in den zweieinhalb Jahren verändert, mein Selbstbewusstsein war gewachsen und ich war deutlich zielorientierter. Der nächste Schritt hieß Studium.

Nach der Zeit am Ruhr-Kolleg und der Geburt meines Sohnes im Januar 2013 begann ich im Oktober mein Lehramtsstudium (Deutsch und Geschichte) an der Universität Duisburg-Essen, welches ich voraussichtlich im Sommer 2020 beenden werde. Ich freue mich sehr auf den Beruf der Lehrerin und den damit verbundenen Herausforderungen.

Ohne das Ruhr-Kolleg wäre dieser bisherige Weg von der Kellnerin zur Master-Absolventin nicht möglich gewesen. Dafür bin ich dem Ruhr-Kolleg und all seinen Lehrkräften sehr dankbar.

Katharina Kremer

Dr. Joachim Stengel, Abi 1989
Dr. Joachim Stengel, Abi 1989 (Foto: Sibylle Stengel-Klemmer)

Das Ruhr-Kolleg und sein Einfluss auf mein Leben

Zweimal flog ich von verschiedenen Gymnasien. So endete meine erste Schulkarriere. Ich schlug mich mit verschiedenen Jobs durch, schloss eine Lehre als Siebdrucker ab und eröffnete eine Studentenkneipe. Aber irgendwie kam ich mir manchen anderen Menschen unterlegen vor, weil ich keinen ordentlichen Schulabschluss hatte und im Laufe der Zeit stellte sich zusätzlich heraus, dass die Chance, im Leben irgendetwas zu erreichen dadurch sehr gering war.

Meine Lebenserfahrungen bis zu diesem Zeitpunkt führten mich in eine Psychotherapie. Das Erlebnis dieser Behandlung war für mich so einschneidend positiv, dass ich mir dachte, das ist ein genialer Beruf. Was mir geholfen hat, würde ich gerne andern auch zugutekommen lassen! Das machte mir Mut, einen neuen Lebensweg anzugehen. Ich hörte, dass es eine Möglichkeit wie das Ruhr-Kolleg gab. Meine Voraussetzungen waren gelinde gesagt bescheiden. Eine Aufnahmeprüfung hätte ich nicht bestanden, so musste ich erst einen sogenannten Brückenkurs an der VHS machen. Ein ganzes Jahr, dachte ich, welch grausam lange Zeit. Aber siehe da, ich lernte eine Menge Leute kennen, die später zum harten Kern der Kollegzeit wurden. Dreimal durchgeatmet und schon war das Jahr um und wir starteten am Ruhr-Kolleg. Grausame drei Jahre standen mir bevor, dachte ich. Aber im Nachhinein war es eine Zeit mit unglaublich vielen Erfahrungen und aufregenden neuen Kontakten. Eine einzige Party, die wie im Flug verging.

Endlich, mit 20 Jahren Verspätung das Abitur, das Zeugnis der Reife, erlangt. Es war ein Gefühl, dass uns die Welt nun offen stand. Alles war möglich. Dieses Wissen, alles zu schaffen, machte Mut  sich immer wieder auf Neues einzulassen. Sollte ich tatsächlich Psychologie studieren? Oder doch lieber Medizin? Oder ganz etwas anderes? Vielleicht in den auswärtigen Dienst? Dann zahlt der Staat die Ausbildung. Ich bewarb mich auf jeden Fall erst einmal für Psychologie und wurde abgelehnt. Wo gibt es denn so etwas? Jetzt erst recht! Quereinstieg und Unis auf einen Studienplatz verklagen. Alle Möglichkeiten nutzen und im zweiten Semester hatte ich dann in Bochum meinen Studienplatz für Psychologie. Wieder Neues entdecken, Kommilitonen, Dozenten und Professoren kennen und schätzen lernen. Nach fünf Jahren der Abschluss. Das ging wieder schneller als gedacht. Was jetzt? Immer noch trieb mich das Gefühl an, dass ich am Kolleg gelernt hatte: Es muss noch etwas Neues geben. Die Welt steht uns offen, Wir müssen nur zugreifen. Ich kann es erreichen! Das Thema der Diplomarbeit hatte mich so gefesselt, dass ich die damit verbundene Forschung in meiner Dissertation fortsetzte.

Inzwischen war ich so begierig mich immer wieder auf Neues einzulassen, dass nun natürlich nicht das Ende der Fahnenstange erreicht war. Einen Therapieausbildung, parallel zu den praktischen Jahren in Beratungsstelle und Klinik. Die Zeit raste dahin und ich war Psychotherapeut mit eigener Praxis. Weil es so schön und spannend war, habe ich eine zweite Therapieausbildung angeschlossen, nur so aus Interesse und um mir zu beweisen, dass ich es kann. Ich wurde neben meiner praktischen Arbeit Supervisor für Therapeuten in Ausbildung und selbst Prüfer. Prüfungsängstlich, wie ich noch bei der Abiturprüfung am Kolleg und bei den Abschlussprüfungen in der RUB war, saß ich plötzlich auf der anderen Seite und befragte die Prüflinge. Inzwischen habe ich meinen Kassensitz in Duisburg und eine Privatpraxis in Essen, die ich auch weiter betreiben werde, wenn ich mich einmal zur Ruhe setzen sollte. Nebenberuflich schreibe ich Ruhrgebietskrimis und suche noch einen Verlag. Mal sehen, ob sich der Weg als Schriftsteller noch ausweiten lässt.

Die Zeit am Ruhr-Kolleg ist mir bis heute in positiver Erinnerung, hat mir das bleibende Gefühl vermittelt, dass man alles erreichen kann, wenn man nur anfängt. Neugierig zu sein und zu bleiben ist immer noch eine Triebfeder und der Spruch, den ich jedes Jahr wieder in meinen Terminkalender übernehme, hilft mir dabei voranzukommen: Heute ist ein neuer Tag und alles ist möglich!

Bernhard Bandura, Abi 1978
Bernhard Bandura, Abi 1978

Vom Lehrling zum Lehrer

Mein Name ist Bernhard Bandura, ich bin 1952 geboren und hätte ohne das Angebot des Ruhr-Kollegs meine beruflichen Ziele nie erreicht. Dafür bin ich sehr dankbar und möchte, dass auch heute junge Menschen die Chance bekommen, die mir gegeben wurde.

 

In meiner Heimatstadt Recklinghausen ging ich acht Jahre zur Volksschule, da meine Eltern trotz meiner Eignung finanziell nicht in der Lage waren, mir den Besuch eines Gymnasiums zu ermöglichen. Mit 14 Jahren begann ich eine Lehre als Schriftsetzer, die ich erfolgreich abschloss. Nach einem Wechsel in einen anderen Betrieb besuchte ich nach der Arbeit bis die Abendrealschule Gelsenkirchen, auf der ich meine Mittlere Reife nachholte.

 

In dieser Zeit kam bei mir der Wunsch auf, Lehrer zu werden und Deutsch und Geschichte zu studieren. Das war jedoch nur möglich mit der Erlangung der Hochschulreife, dem Abitur. Was also tun? Ich hatte mich bereits über weitere Möglichkeiten der Erwachsenenbildung informiert und mir schien das Angebot des Ruhr-Kollegs für meine Lebenssituation ideal zu sein, und das war es auch. Im Gegensatz zu meiner vorherigen Abendrealschule könnte ich mich durch die Möglichkeit des ganztägigen Unterrichts (finanziell abgesichert durch elternunabhängiges, nicht rückzahlungspflichtiges Bafög) voll auf den Unterricht konzentrieren. Also besuchte ich nach einer Zeit bei der Bundeswehr das Ruhr-Kolleg in Essen und erlangte die allgemeine Hochschulreife. Das Ruhr-Kolleg wurde übrigens damals von Johannes Krieger geleitet, der auch mein Deutschlehrer war und mich auf meinem Weg bestärkte.

 

Anschließend begann ich mein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und schloss es 1984 erfolgreich ab.

Mein Referendariat machte ich an einem Essener Gymnasium. Danach konnte ich zwar einige Zeit nicht in meinem Beruf als Lehrer arbeiten, kam aber nach einigen Jahren in der Jugend- und Erwachsenenbildung in den Schuldienst. Die letzten 16 Jahre meines Arbeitslebens konnte ich als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Erdkunde in der Realschule Essen-Überruhr arbeiten und mir somit den Berufswunsch meiner Jugend erfüllen.

 

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, wie wichtig das Angebot des Ruhr-Kollegs ist, um es auch heute noch Erwachsenen zu ermöglichen, Lebenswege zu gehen, die ihnen aufgrund ihrer bisherigen Lebensumstände sonst für immer verschlossen blieben.

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